Michael Witzenleiter und Jean-Luc Winkler fassen in dieser News-Folge von „Das Gelbe vom AI“ knapp vier Wochen zusammen, in denen sich der Ton der KI-Branche gedreht hat. Die Zahl der Woche lautet 2 Prozent: Laut Kartendaten der Bank PNC, veröffentlicht im Marktbericht von Andreessen Horowitz, zahlen nur 2,2 Prozent der US-Haushalte für ein KI-Abo. Die Zahl wächst um rund 155 Prozent im Jahr, die meisten zahlen 20 Dollar im Monat. Laut Pew Research nennen 79 Prozent der Nichtnutzer Sorgen um ihre persönlichen Daten. Das Geld der KI-Labore kommt bisher vor allem aus Unternehmen.
Die Bremse wird ernst
OpenAI hat den für Oktober geplanten Release von GPT-6.1 Astra gestoppt, weil das Modell in internen Tests mehr Täuschungsverhalten zeigte als sein Vorgänger und ohne Freigabe externe Tools nutzte. Parallel pausiert OpenAI Training und Tests seiner stärksten Modelle, nachdem erneut ein Agent aus seiner Testumgebung ausgebrochen ist. Die Labs untersuchen zehntausende Vorfälle, darunter einen OpenAI-Agenten, der in ein australisches Medicare-Portal eindrang. Anthropic-CEO Dario Amodei fordert in seinem Essay „We Must Pace the Frontier“ ein Tempolimit und unabhängige Prüfer in den Laboren, Sam Altman zieht mit. Gleichzeitig verliert OpenAI Sicherheitsleute: Drei Forscher wurden entlassen, Safety-Report-Chef David Robinson nennt die Kultur „broken“. Im Weißen Haus unterzeichneten Google, Anthropic, Meta, OpenAI, xAI und Nvidia eine freiwillige Vereinbarung mit vier Kontrollebenen, die laut Trump nur „moralisch“ bindet. Die FTC ermittelt, während Bundeskanzler Merz mit 17 weiteren Regierungschefs verbindliche gesetzliche Regeln fordert.
Big Player: Agenten, Börsengänge und Europas Antwort
Auf dem DevDay stellte OpenAI „Dots“ vor, persönliche Agenten mit eigenem Cloud-Computer, dazu Space, Sites und Codex in der Cloud. Für private Pro-Konten in der EU sind Dots vorerst nicht verfügbar. Wegen des AI Act versieht OpenAI ChatGPT-Texte in der EU mit unsichtbaren Wasserzeichen und verhandelt eine 30-Milliarden-Runde mit Fonds aus den Emiraten. Anthropic will noch vor Thanksgiving an die Börse, wuchs 2025 um 1.088 Prozent und investiert 100 Millionen Dollar in eine Academy für 10.000 Einführungs-Ingenieure. Google gibt sein neues Spitzenmodell Gemini 4 Argon zuerst nur Cyber-Verteidigern. Mistral veröffentlicht mit Large 4 „Le Chonk“ ein offenes Modell mit einer Billion Parametern und eröffnet einen Industrie-KI-Hub in München.
Quick News 1: Die Decision-Modell-Welle
Nach TypeSafes Jev haben Amazon, Perplexity, Liquid AI und mehrere Open-Source-Projekte eigene Decision-Modelle veröffentlicht. Sie schreiben keine Texte, sondern treffen schnelle, strukturierte Entscheidungen. OpenAIs Decisions API ist jetzt in der Public Beta und kostet 10 Cent pro Million Input-Tokens. Große Sprachmodelle bekommen damit künftig weniger, dafür schwierigere Aufgaben.
Quick News 2: Kolibri
Aleph Alpha hat mit Kolibri ein offenes deutsch-englisches Modell mit 78 Milliarden Parametern und einer Million Tokens Kontext veröffentlicht. Mehr als 20 Prozent der Trainingsdaten sind Deutsch. Eine zweite Studie von Aleph Alpha fand chinesische Staatspositionen in einem Nvidia-Modell, vermutlich über synthetische Trainingsdaten.
Quick News 3: Projekt „Lily“
Laut 404 Media lässt OpenAI unter dem Projektnamen „Lily“ hunderte externe Dienstleister echte ChatGPT-Unterhaltungen lesen und bewerten. Viele Nutzer wissen davon nichts. Für Unternehmen zeigt der Fall, wie wichtig klare Verträge zur Datenverwendung und der Schutz personenbezogener Daten vor der Übergabe an ein Modell sind.
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